Zugegeben, die Reise nach Madeira war ziemlich spontan und ich war auch eher schlecht vorbereitet. Als klar wurde, dass mein Vater es nicht bis Weihnachten schaffen würde, wusste ich, dass ich nicht zuhause sein wollte, hatte aber keine konkreten Pläne. Dann war lange nicht klar, ob ich nicht doch noch eine Begleitung für irgendein Reiseziel finden würde und als dann feststand, dass ich auf jeden Fall alleine sein würde, habe ich mich zwei Wochen vor Abflug für Madeira entschieden. Ich sehnte mich nach Wanderungen, mildem Klima und einer Pause von der Weihnachtsstimmung. Dass Madeira die Weihnachtshochburg schlechthin ist, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als meine Mutter mir ein paar Tage vor Abreise einen Link zu einer Dokumentation über das weihnachtliche Madeira geschickt hat, war ich kurz davor, alles wieder zu stornieren. Letztendlich habe ich mich dann aber kurz vor Weihnachten doch ins Flugzeug gesetzt. Mit gemischten Gefühlen aber erstmal froh, weg von allem zuhause zu sein.

Der Flughafen Madeira, der auch als Cristiano Ronaldo Airport bekannt ist, zählt aufgrund seiner Lage und der besonderen topographischen Bedingungen zu den gefährlichsten Flughäfen der Welt. Die Landebahn des Flughafens wurde auf künstlichen Plattformen über dem Meer errichtet, bedingt durch die begrenzte Landverfügbarkeit auf Madeira und ist nur etwa 1.800 Meter lang und von steilen Klippen umgeben. Während des Landeanflugs genieße ich den atemberaubenden Blick auf die steilen Berge und den tiefblauen Ozean, als sich das Flugzeug durch enge Schluchten und über Klippen hinwegmanövriert. Die Piloten müssen mit starken Seitenwinden und turbulenten Bedingungen umgehen, die durch die umliegenden Berge und das offene Meer verursacht werden. Diese starken und unvorhersehbaren Winde können das Flugzeug während des Landeanflugs erheblich beeinflussen und erfordern daher äußerste Konzentration und Geschicklichkeit seitens der Piloten, welche für diesen Flughafen zusätzliche Flugstunden nehmen müssen.

Die Landung erfolgt problemlos und auch mit dem Gepäck geht alles recht zügig. Ich folge der Wegbeschreibung von meinem Mietwagenanbieter und laufe verwirrt vorm Flughaufengebäude hin und her auf der Suche nach dem richtigen Treffpunkt. Die BEschreibung ergibt für mich einfach keinen Sinn. Irgendwann stolpere ich quasi in den Fahrer hinein, der mich und zwei Männer zum Anbieter fährt. Am Mietwagenschalter will man mir noch eine zusätzliche Versicherung verkaufen, die teurer wäre, als der Mietwagen für 10 Tage. Mache ich natürlich nicht. Auch hier verläuft eigentlich alles reibungslos und kurze Zeit später sitze ich bei strahlendem Sonnenschein in meinem Mietwagen auf dem Weg nach São Vicente.

Die Fahrt ist eine malerische Reise durch die atemberaubende Landschaft von Madeira. Die Route führt zunächst entlang der Küste, vorbei an den charmanten Küstenstädten und den lebhaften Fischerdörfern. Die Straßen winden sich durch grüne Täler und entlang steiler Klippen, wobei immer wieder spektakuläre Ausblicke auf das tiefblaue Meer und die felsigen Küstenformationen geboten werden. Je weiter ich mich von Funchal entferne, desto ruhiger und idyllischer wird die Umgebung. Ich sehe ein Straßenschild, das ich nicht ganz deuten kann. Ich glaube es soll heißen, dass man bei schönem Wetter die angegebene Geschwindigkeitsgrenze um 10 km/h überschreiten kann, aber sicher bin ich mir nicht. Ich bin schon froh, dass ich mir vorher angeschaut habe, wie das mit den zweispurigen Kreisverkehren funktioniert. Nachdem ich die Küstengebiete hinter mir gelassen habe, führt die Straße hinein ins Landesinnere, durch üppige Wälder und vorbei an schroffen Berggipfeln. São Vicente liegt an der Nordküste der Insel und ist bekannt für seine spektakulären Lavahöhlen und seine natürliche Schönheit. Während der Fahrt genieße ich die Ruhe und Gelassenheit der umliegenden Landschaft. Es gibt sogar einige Aussichtspunkte (Miradou) entlang der Straße, aber ich will eigentlich nur noch ankommen und halte nicht an.

Das mit dem Ankommen ist allerdings gar nicht so einfach. Erst verpasse ich die Ausfahrt und drehe mit einem etwas waghalsigen Manöver mitten auf der Straße. Das, wo mein Handy mich hin schickt, sieht aber gar nicht so aus, wie auf der Buchung. Ich schaue mir das mitgeschickte Bild nochmal an und gebe die Adresse erneut ein. Nun werde ich durch unübersichtliche enge Gassen an eine ganz andere Stelle geschickt. Sieht auch nicht richtig aus. Ich bitte den Vermieter der Unterkunft nochmal um die exakte Adresse und lande schließlich dort, wo ich bereits am Anfang schon war. Langsam fahre ich eine Runde um den Block, erfolglos. Verzweiflung steigt auf. Nach der zweiten Runde parke ich mein Auto am Straßenrand und suche zu Fuß weiter. Zum Glück finde ich die Unterkunft dann, in einer schmalen Gasse, die tatsächlich nur zu Fuß zu erreichen ist. Hätte ich mir bei dem Straßennamen auch denken können. Sofort folgt die nächste Herausforderung: Ins Gebäude gelangen. Eigentlich sollte mein Zimmerschlüssel im Schlüsselkasten am Tor liegen oder in der Tür stecken, dem ist aber nicht so. Wie eine Einbrecherin schleiche ich um das Gebäude, rüttel an Türen, lese zum hundertsten mal die Beschreibung nach einem Hinweis durch, den ich vielleicht übersehen haben könnte. Ich versuch den Vermieter anzurufen, allerdings verweigert mein Telefonanbieter den Anruf. Großartig. Ich überlege Booking einzuschalten und frage mich, ob es in diesem kleinen Ort überhaupt verfügbare Unterkünfte gibt. Ich bin total erschöpft und will nicht mehr Auto fahren. Selbstzweifel kommen hoch, ob das mit dem alleine Reisen bei meiner aktuellen Stimmung vielleicht doch eine dumme Idee war. Ich scheitere anscheinend bereits am ersten Tag.

Nochmal die Treppe ruf. Irgendwie muss ich doch hie rein kommen. Und dann finde ich schließlich doch eine Tür, die sich öffnen lässt. Ich lande in der sehr altmodischen Gemeinschaftsküche. Immerhin bin ich erstmal drin. Ich mache mich auf die Suche nach meinem Zimmer. Die Flure sind dunkel und verwinkelt, Beklemmung steigt in mir auf. Ich finde zwei Zimmer, die beziehbar wären und schreibe nochmal dem Vermieter. Diesmal bekomme ich eine zügige Antwort. Das Zimmer ist klein und riecht irgendwie muffig nach feuchten Wänden. Aber ich bin ja sowieso nur zum schlafen hier. Ich hole meinen Rucksack aus dem Auto und fahre runter in den Ort, mir knurrt der Magen. An der kleinen Promenade angekommen hüpfe ich erstmal in den kleinen Supermarkt und besorge etwas zum Frühstücken für die nächsten Tage, Nudeln, Pesto und den berühmten Madeira-Wein. An der Kasse lachen mich noch kleine Törtchen mit Vanille-Creme an, die auch in meinen Einkaufskorb landen. Und dann sofort in meinem Magen, als ich auf der Mauer am Meer sitze und das letzte Tageslicht langsam schwindet. Pastei de Nata, die bekannteste und beliebteste Süßspeise Portugals, wie ich später lerne. Irgendwie ist es ja doch ganz hübsch mit der Weihnachtsbeleuchtung. Die wenigen Restaurants sprechen mich allerdings alle nicht an. Gibt es wohl Nudeln mit Pesto, auch wenn ich heute eigentlich nicht mehr kochen wollte.

Zu den Nudeln gibt es den Madeira Wein, erst beim zweiten Glas sehe ich, dass dieser 18% hat. Hm. Aber schmecken tut er. Eigentlich ist es ein Likörwein.

Als ich später im Bett liege, höre ich komische Geräusche. Jemand versucht eine Tür zu öffnen. Meine Tür? Angespannt liege ich im Bett und lausche. Da ist jemand im Flur. Mein Herz rast wie wild, bis ich realisiere, dass da so spät noch jemand das Zimmer gegenüber bezieht. Ich höre eine Frauenstimme und meine ein leises Schluchzen zu hören. Sie telefoniert und versucht die Zimmertür zu verschließen. Dafür habe ich auch mindestens zehn versuche gebraucht. Vorsichtig öffne ich meine Tür und gehe ins Bad, auf dem Rückweg treffe ich sie dann. Eine Spanierin in meinem Alter. Wir unterhalten uns etwas über die doch etwas merkwürdige Unterkunft, dann gehe ich beruhigt zurück in mein Zimmer. Ich will früh schlafen, morgen steht DIE Wanderung auf Madeira an: Pico to Pico. Und ich möchte zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein.

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Über Bonvoylara

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Mal sehen was uns auf diesen beiden Inseln so erwartet2. April 2024
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Auf dem Rückweg habe ich den Miradouro do Guindaste besucht und war einfach überwältigt. Die Aussicht auf die schroffe Küste Madeiras, das tiefblaue Meer und die endlosen Weiten des Atlantiks war atemberaubend. Es fühlte sich an, als ob die Welt stillsteht, während die Wellen unten gegen die Klippen schlagen. Solche Momente lassen einen den Alltag vergessen und die pure Schönheit der Natur genießen. 🌊💙
🌿 Wandern auf Madeira: PR10 oder Levada dos Tornos? 🌿
Irgendwo auf dem Weg Richtung Nord-Madeira. Dafür habe ich sogar das warme Auto verlassen🤣
Der eiskalte Wind pfeift mir um die Ohren. Warum habe ich eigentlich keine Handschuhe eingepackt? Ich hätte wenigstens meine Weihnachtsmütze aufsetzen können. Ich gehe über den Bergkamm, rechts und links versinkt alles in den Wolken unter mir. Sichtweite? Bis zur nächsten Kurve. Der Wind bläst hier so stark, dass ich Angst habe, weggeweht zu werden. Kaum jemand ist unterwegs. Oh man, das hab ich mir wirklich ganz anders vorgestellt. ie Feuchtigkeit verstärkt die Kälte, und mit zugezogener Kapuze stehe ich an irgendeinem Aussichtspunkt und beschließe, dass das hier nichts wird. Erstens habe ich null Aussicht und zweitens wirklich Angst, hier alleine weggeweht zu werden. Etwas wehmütig trete ich den Rückweg über die ganzen Stufen an, die ich schon hinter mir hatte. Ich treffe noch ein deutsches Paar, die auch umkehren wollen. Etwas enttäuscht bin ich schon, aber ich weiß, dass das die richtige Entscheidung ist. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich bereits wieder am Auto. Immerhin gibt’s kein Problem wegen des Parkens.
Es hat etwas gedauert, bis ich an meinem ersten Tag allein auf madeira am Meer war und zur Ruhe kommen konnte.
Wir fahren zu einem kleinen Strand, ich hüpfe nochmal ins Meer und wir genießen den letzten Nachmittag gemütlich im Schatten. Anschließend fahren wir ein Stück weiter in die Berge, um dort den Sonnenuntergang anzusehen. Das klappt leider so gar nicht, weil der eingezeichnete Spot definitiv nicht mit unerem Auto befahrbar ist. 😅 Wir fahren also wieder Richtung Küste, die Himmelsrichtung müsste für einen schönen Sonnenuntergang passen und ich habe auf der Karte ein paar Restaurants entdeckt.🤩 Zunächst geht es durch das Botschaftsviertel, bis wir an einer hippen Promenade landen. Hier reiht sich ein Lokal an das nächste und als die Sonne untergegangen ist, füllt sich die Wiese am Ufer schnell mit unzähligen Leuten, die sich zum Picknicken treffen. Wir suchen uns ein Restaurant aus, Essen ein paar Kleinigkeiten und trinken dazu frisch gepresste Sä fte. Mein Favorit ist der Granatapfelsaft. 🤤Danach setzen wir uns noch etwas ans Wasser und lauschen dem Meeresrauschen bevor wir uns gegen 23.00 Uhr Richtung Flughafen aufmachen. Unser Flieger geht um 4.00 Uhr morgens 😣
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