Kati, geht los..!

Kangerlussuaq

Endlich, endlich ist es so weit. Mit 30 Minuten Verspätung sitzen wir (Stefan, Andreas und ich) im Flugzeug von Kopenhagen nach Kangerlussuaq, Grönland. Die Nacht war für uns alle kurz – Stefan und ich hatten eine schlaflose Nacht im Hostel dank unserer Zimmernachbarn, Andreas ist einfach direkt in Kopenhagen im Flughafen geblieben. Um 5:15 Uhr klingelt der Wecker, dann gibt es erstmal die vorerst letzte heiße Dusche. Um 7:00 Uhr treffen wir uns am Flughafen, zusammen mit Paul, einem Australier, den wir im Hostel kennengelernt haben und der den ACT ein paar Tage nach uns starten wird fahren wir mit der Bahn dort hin. Am Flughafen verstauen wir die Rucksäcke in den flightcovern, schicken noch ein paar Stoßgebete, dass mit dem Gepäck alles klappt, essen noch eine Zimtschnecke und dann geht es in den Flieger. Trotz Aufregung versuche ich im Flugzeug etwas zu schlafen, schließlich fliegen wir fast fünf Stunden und bekanntermaßen schlafe ich im Zelt nie sonderlich gut.

Der Flughafen in Kangerlussuaq ist ganz anders, als die Flughäfen, die ich kenne. Obwohl er Grönlands einziger internationaler Flughafen ist, ist er echt winzig. Ein richtiges Gepäckband gibt es nicht, das Gepäck wird zwar von außen auf ein ca. 4 m langes Rollband geschoben, dann räumt es aber ein Flughafenmitarbeiter herunter in den schmalen Gang, der auch gleichzeitig Eingang ist. Dort sucht sich dann jeder sein Gepäck aus dem Stapel. Treppe rauf, dann ist man in der Flughafenhalle. Es gibt eine Touristeninfo, zwei Schalter von Air Greenland und einen kleinen Wartebereich. Hinzu kommt noch ein kleiner Souvenirladen, ein Bistro (das einzige im Ort) und der Aufgang zum Hotel. Wir suchen als erstes die Schließfächer und haben Glück, das letzte zu ergattern. Schlüssel dafür gibt es oben an der Hotelrezeption. Kosten: 40 DKK pro Tag + 200 DKK Kaution. Ins Schließfach kommen ein paar Wechselsachen und alles was wir sonst nicht unbedingt tragen wollen, wir aber für den Flug dabei hatten (Flightcover etc). Schonmal eine Sorge weniger.

Ankunft in Kangerlussuaq

Jetzt wird es aber noch richtig spannend für uns: Wir brauchen Gaskartuschen. Das war ein großes Thema bei der Planung und wir haben echt überlegt, uns vorab welche aus Sisimiut zu bestellen (da bietet ein Outdoorgeschäft einen Bringservice per Flugzeug an). Da wir aber zuvor bei Facebook oft gelesen haben, dass es wohl nicht mehr so ein großes Problem wäre, an Kartuschen in Kangerlussuaq zu kommen, haben wir beschlossen, einfach unser Glück zu versuchen. Und tatsächlich hat der Pilersuisoq Supermarket gegenüber vom Flughafen genügend Kartuschen vorrätig. Der Supermarkt ist insgesamt ganz gut aufgestellt (gibt sogar Gewehre) und wir kaufen noch ein bisschen was zu essen für den ersten Abend, Halsschmerztabletten für mich, sehr sehr teures Startbier und Gebäck. Das Wetter ist bescheiden (kalt und nass), dennoch trinken wir draußen gemeinsam mit Paul unser Bier, bevor wir uns verabschieden und auf die Suche nach einem Transfer nach Kellyville machen. Man kann den Trail auch direkt vom Flughafen aus starten, jedoch führen die ersten 15 km an einer „Straße“ entlang, soll ziemlich eintönig sein. Etwas unschlüssig streifen wir durch die Gegend. Am Flughafen werden wir direkt angesprochen, ob wir Hilfe benötigen. Ich erkläre, dass wir einen Transfer zum Flughafen benötigen. Der Mann kann uns nicht fahren, bietet uns aber an, uns eine Nummer von jemandem zu geben, der uns fahren könnte. Wir lehnen erstmal ab und gehen zur Polarlodge, dort soll auch ein Transferservice angeboten werden. Die Polarlodge ist Hotel, Souvenirshop, bietet Ausflüge und Seminarräume. Wir schauen kurz durch die Souvenirs und fragen an der Rezeption nach einem Transfer. Wird natürlich nicht angeboten. Aber sie hat eine Telefonnummer für uns. Vermutlich die gleiche, die uns der Typ am Flughafen auch schon geben wollte. Für 1,50 € / Minute vom Handy rufen wir dort an und werden um 13.00 Uhr abgeholt. 250 DKK (ca. 33 €) pro Person (!) zahlen wir für den Transport. Zum Glück haben wir in Kopenhagen Bargeld abgehoben. Bis es los geht sind es noch 1,5 Stunden. Wir setzen uns in den Aufenthaltsraum der Lodge, ich mache mir in der Küche einen Tee, wir nutzen nochmal die Gelegenheit, WLAN zu haben und hören mit halbem Ohr einem Guide zu, der die Einweisung für eine Gruppe macht, die eine Übernachtung auf dem Inlandeis gebucht haben. Das Warten ist etwas nervig, wir wollen einfach nur los und die ersten Kilometer laufen.

Und dann endlich ist es 13.00 Uhr und unser Fahrer ist da. Wir fahren mit einem kleinen Bus vom Kangerlussuaq Mini Market über die holprige Straße am Fjord entlang. Der Fahrer ist sehr freundlich und spricht recht gut Englisch. Die Straße wird zur Schotterpiste und windet sich den Berg hinauf, wir fahren am Hafen, mehreren Dieseltanks und einer großen Satellitenschüssel vorbei. Und den ersten Schneehasen sehen wir auch!

Und dann sind wir Am Startpunkt in Kellyville, froh, diese inoffizielle Etappe nicht zu Fuß gemacht zu haben, das wäre doch ganz schön eintönig geworden. Wir machen noch ein paar Fotos, dann heißt es: Tschüss Zivilisation, Hallo Arctic Circle Trail!

Auf geht’s!

Wir ziehen in ein Abenteuer

ich schaue dem Bus hinterher, verrückt, dass wir jetzt neun Tage lang keine Autos sehen werden. Wir werden auch keinen Handyempfang haben, keine Geschäfte zum essen kaufen unterwegs, kein Strom und keine Dusche. Mal sehen, wie uns das so gefällt und wie wir damit zurecht kommen, wenn wir stinkend und hungrig permanent aufeinanderhocken. Ich freue mich wahnsinnig auf diese Herausforderung.

Wir gehen zunächst noch ein Stück auf der Straße entlang, auf der Suche nach dem Trail. Dieser liegt laut dem GPX Track auf meiner Uhr rechts davon und irgendwann erkennen wir ihn auch, gehen kurz querfeldein und stellen fest, dass es verdammt sumpfig ist. Ich hatte bereits gelesen, dass Feuchtigkeit ein Problem sein kann aber hoffe inständig, trockene Füße zu behalten. Es schmatzt bei jedem Schritt und ich versuche, die schlimmeren Stellen zu umgehen, was ganz schön Zeit raubt. Wasser von oben haben wir auch. Das ewige Ausweichen und einsinken kostet Kraft und Motivation, so hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt. Wir reden nicht viel, jeder konzentriert sich auf seine Füße und so lassen wir die ersten Kilometer hinter uns, bis wir den verlassenen Wohnwagen sehen. In unserem Reiseführer stand bereits etwas darüber, aber es dann wirklich zu sehen ist schon spannend. Das Ding ist sehr heruntergekommen, an dem Anbau draußen liegen Rentierschädel. Ich will auf jeden Fall hinein. Nach einem kurzen Blick ist uns sofort klar, dass wir hier auf keinen Fall eine Nacht verbringen wollen. Ich schreibe noch schnell in das Gästebuch, dass wir da waren und in welche Richtung wir gehen. Im Zweifel kann man so nachvollziehen, wann wir wo gewesen sind. Noch eine kurze Pipipause, bei der ich über diverse Knochen stolpere, dann geht es weiter.

Wir brauchen eine Weile, um den kleinen Trail wieder zu finden. Mir dröhnt ganz schön der Schädel. Ich bin total übermüdet und erschöpft, kämpfe gegen den Schwindel und meinen Stolz. Immer wieder ist es sehr sumpfig und mir wird klar, dass ich so nicht lange durchhalten werde. Zweifel kommen auf. War das wirklich so eine gute Idee nach meiner OP und der recht kurzen Vorbereitungszeit, dazu die Kälte und der schwere Rucksack? Ich weiß, dass wir weiter gehen müssen, zumindest so lange, bis wir die salzhaltigen Seen hinter uns gelassen haben und Süßwasser finden. Kleinlaut sage ich den beiden, dass ich ganz schön fertig bin. Den beiden geht es nicht anders und wir fangen an, nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau zu halten. Das ist bei dem Untergrund gar nicht so einfach. Bei ca. neun Kilometern sehen wir eine Landzunge, die recht vielversprechend aussieht.

Nach kurzer Absprache kämpfen wir uns querfeldein den Hang runter, um dann doch relativ lange nach einem geeigneten Spot zu suchen. Ich finde ein Rentierbein. Bisschen gruselig alles. Warum liegen hier so viele rentierteile verteilt? Wir möchten in der ersten Nacht nicht allzu weit voneinander entfernt stehen und so durchkämmen wir gemeinsam die Landschaft, bis wir alle zufrieden sind. Dann heißt es erstmal Zelte aufbauen, bevor es ans Abendessen geht. Wir schlemmen ganz schön und um 20.00 Uhr liegen wir erschöpft in unseren Zelten. Ich bin gespannt, wie kalt es wohl wird.

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Ich war kurz davor in die Lavapools zu hüpfen, aber irgendwie auch nur fast 😅
Und dann geht es auch schon wieder bergab. Es geht runter von der Straße auf einen kleinen Trampelpfad, den vermutlich schon sehr lange niemand mehr benutzt hat. Und auf einmal fängt es an zu schütten. Innerhalb von Sekunden bin ich nass bis auf die Haut. Ich hocke mich unter einen einsamen, niedrigen Baum, der etwas in den Weg ragt. Der Regen wird nicht weniger und wirklich viel Schutz bietet der Baum auch nicht. Zähneknirschend gehe ich weiter, der Weg wird immer schmaler und die Abhänge steiler. Hier und da muss ich etwas kraxeln. Ein bisschen mulmig ist mir mit meinen nassen, matschigen Schuhen dabei schon. Und auf einmal sehe ich die Felsen von Janela. Da hätte ich mir den Stopp auch sparen können. Anstatt weiter zum Strand abzusteigen, beschließe ich, die Route etwas abzukürzen. Und lande auf einer kleinen Nebenstraße, die wegen Steinschlaggefahr für Autos (?) gesperrt ist. Und hier liegen ordentlich Steine herum. Aufmerksam gehe ich weit am Rand entlang. Hoffentlich kracht nicht ausgerechnet jetzt etwas herunter. Nach fast 10 Kilometern mit gut 500 Höhenmetern komme ich erschöpft wieder in Porto Moniz an. Und ich kann erahnen, dass das hier ein ganz schönes Weihnachts-Wonderland ist, wenn es dunkel ist.
Ich finde zum Glück einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe meiner Unterkunft, besorge schnell etwas zum Kochen für den Abend in einem kleinen Supermarkt und bin immer noch unschlüssig. Das Wetter scheint sich etwas stabilisiert zu haben, Badewetter ist natürlich nicht. Ach was soll’s, ich bin zum Wandern hier, denke ich. Im Auto schlüpfe ich in meine Wandersachen, suche schnell eine Route aus und marschiere los. Immer bergauf. Schnell bin ich außer Atem. Wer baut solche Straßen? Und wer fährt diese Straßen mit dem Auto hoch? Aber ich werde schnell mit wunderbaren Aussichten auf Porto Moniz und das Meer belohnt. Ich komme durch einen kleinen Ort, in dem mich von einem Garagendach ein Hund so böse anbellt, dass ich Angst habe, er könnte herunterspringen und mich anfallen. Ich versuche ihn nicht zu beachten und gehe zügig weiter. Die Wege sind nicht immer ganz leicht zu finden und manchmal wundere ich mich etwas über die Streckenführung.
Als nächstes geht es zum Praia da Ribeira da Janela, einem malerischen Strand in der Nähe des kleinen Dorfes Ribeira da Janela. Dieser Strand zeichnet sich durch seine wilde und natürliche Schönheit aus, die von dramatischen Felsformationen und der rauen See des Atlantiks geprägt ist. Die markanten Felsformationen im Wasser, die steil aus dem Meer ragen, verleihen dem Ort einen einzigartigen, fast mystischen Charme. Der Strand selbst besteht hauptsächlich aus Kieselsteinen und großen Felsen, was ihm einen unberührten und natürlichen Charakter verleiht.
Weiter geht es nach Seixal. Die charmante Stadt bot mir während meines kurzen Zwischenstopps eine eindrucksvolle Kulisse. Obwohl die berühmten Lavapools aufgrund der stürmischen See an diesem Tag nicht begehbar waren (und mir wäre es vermutlich sowieso viel zu kalt gewesen), konnte ich dennoch die raue Schönheit und die kraftvolle Energie des Atlantiks erleben. Schon bei meiner Ankunft spürte ich den wilden Charme von Seixal. Die hohen Wellen, die gegen die schwarzen Lavaklippen prallten, erzeugten eine dramatische und zugleich faszinierende Atmosphäre. Auch wenn das Schwimmen in den natürlichen Pools nicht möglich war, genoss ich den Anblick des tosenden Meeres, das die Küste in ein wildes Schauspiel verwandelte. Die Stadt selbst strahlt eine gemütliche und einladende Atmosphäre aus. Die kleinen Gassen und die traditionellen Häuser mit ihren roten Dächern spiegeln den authentischen Charakter Madeiras wider. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdeckte ich charmante Cafés und Restaurants, in denen man es sich sicher sehr gut gehen lassen kann. Und eine Straße mit 33 % Steigung! Besonders beeindruckend war der Blick vom Ufer aus auf die steilen, grün bewachsenen Klippen, die sich majestätisch über dem Atlantik erhoben. Seixal ist auch einer der wenigen Orte auf Madeira, die einen Strand haben.
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