Tag 1 – Bruchhauser Steine

Es ist mal wieder Zeit für ein kleines Abenteuer.

Diesmal geht es auf den Rothaarsteig, Start in Bruchhausen an den Steinen und Ziel ist Brilon, übernachten werde ich auf dem Trekkingplatz „Himmelsnah“ am Poppenberg kurz vor Brilon. Transparenz: die Übernachtung auf dem Platz habe ich gratis bekommen

Das Abenteuer beginnt eigentlich schon mit der Anreise: ich entscheide mich für den Öpnv und nach leichten Startschwierigkeiten komme ich nach 2,5 Stunden in Bruchhausen an. Dort starte ich meine Uhr, auf der ich die zwei Etappen gespeichert habe, die ich gehen möchte. Also, dachte ich zumindest. Hab ich wohl nicht mehr synchronisiert. Etwas ratlos stehe ich an der Bushaltestelle und versuche mich zu orientieren. Ich finde ein Schild, das auf die Steine hinweist und da will ich schließlich erstmal hin, also wandere ich einfach los. So ungefähr weiß ich ja auch, wie der Weg verläuft, ich mache einfach eine schleife und gehe dann auf dem Rothaarsteig Richtung Brilon, der ist mit Sicherheit ausgeschildert.

Es geht auf einer schmalen Straße bergauf und an der Gabelung weiß ich schon nicht, wo ich lang gehen soll. Hinter mir sind 2 Familien und ich lasse sie vorbei, während ich meine Trekkingstöcke auspacke und folge ihnen dann unauffällig. Nach einer Weile ist der Weg zu den Bruchhauser Steinen auch ausgeschildert und ich erhöhe mein Tempo etwas. Die beiden Familien sind gerade dabei, sich mit Insektenschutzmittel zu besprühen und ich nutze die Gelegenheit zum überholen. Ein Kind steht mitten auf dem Weg und verteilt brav das spray. Als ich angestapft komme, wird es gebeten Platz zu machen „ach, so ein Sprühstoß Autan nimmt man doch gerne“ lache ich, als ich mich vorbei quetsche. Kurz darauf stehe ich mit der Flasche in der Hand neben den Kindern und schmiere mich fleißig ein. Am Infocenter angekommen kaufe ich eine Eintrittskarte für 5 € und bekomme noch ein bisschen Infomaterial dazu. Warum ich den Eintritt bezahlt habe, weiß ich aber ehrlich gesagt nicht, denn es ist der einzige Eintrittspunkt, an dem man etwas bezahlen muss. Wer sich ein bisschen für die Entstehung und Geschichte der Bruchhauser Steine interessiert, findet hier viele Infos über Geologie, Archäologie sowie Fauna und Flora an den Felsen. Durch ein Tor gelangt man dann auf den 3,6 km langen Rundweg des Naturmonuments und ich grübel, wie ich die Strecke geplant habe, während ich auf die Karte starre die ich vorhin bekommen habe. Ich meine mich zu erinnern, dass ich gegen den Uhrzeigersinn gehen wollte, auf der Karte sieht das aber irgendwie nach dem unspektakulärerem Teil aus, also entscheide ich, rechts herum zu gehen.

Ich gelange zuerst zum 92 m hohen Bornstein und klettere au die Falkenwacht. Schon verrückt, dass diese steine vor 370 Mio. Jahren entstanden sind. Es geht bergauf und an einer Wegmarkierung werde ich etwas stutzig, hier scheint es von dem Schotterweg ab zugehen. Vielleicht gelang man hier zu den Wallanlagen? Nach einigen Metern Trampelpfad beschließe ich, dass das niemals der richtige Weg sein kann, hier scheint schon länger keiner mehr her gegangen zu sein, der Weg ist ganz schön verwachsen. Also zurückmarschmarsch! Zurück auf dem Schotterweg folge ich diesem weiter hinauf und gelange zum 60 m hohen Goldstein, der durch Quarzeinlagerungen hübsch glänzt. links neben mir liegt immer noch der Bornstein, von hier aus sieht er noch viel beeindruckender aus. Am Goldstein gibt es viele Steinmännchen und ich mache eine Foto-Pause. Kein Wunder, dass dieser Ort früher auch eine Kultstätte war. Ich mache einen Abstecher zu einem rekonstruierten Wallstück und dann geht es weiter hoch Richtung Feldstein. Unterwegs nasche ich die ersten Heidelbeeren, die ich diese Saison finde. Der Anstieg mit dem schweren Rucksack ist schon etwas anstrengend. Den 45 m hohen Feldstein kann man besteigen und so lasse ich de schweren Rucksack an einer Bank liegen und mache ich auf zum Gipfel. Man muss ganz schön kraxeln und hier und da gibt es auch eine Sicherung mittels Stahlkette. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit definitiv erforderlich! Der Gipfel liegt auf 756 m Höhe. Oben angekommen, habe ich einen wunderbaren Ausblick über das umliegende Sauerland. Es ist recht viel Betrieb auf dem kleinen Gipfel und so steige ich nach kurzer Zeit wieder ab, bleibe noch etwas an meinem Rucksack sitzen, esse einen Müsliriegel und überlege, wie ich wohl auf den Rothaarsteig komme. Vom Gipfel aus habe ich einen langen breiten Weg gesehen, laut Beschilderung führt er zu mehreren Parkplätzen. Ich weiß, dass ich nach Westen muss, aber mehr uch irgendwie nicht. Noch einmal ärgere ich mich kurz über mich selbst. Der Weg führt nach zu einer Gabelung, auf der sich eine Karte befindet. Leider sind auf de Karte kaum Wege eingezeichnet und es scheint von hier keine Verbindung zum Steig zu geben. Aber irgendwie muss ich da doch hin kommen. Ich spreche zwei junge Männer an, einer von ihnen kennt sich glücklicherweise recht gut in der Gegend aus. Er erklärt mir, dass ich ein ganzes Stück zurück muss, am Goldstein entlang und dann Richtung Feuereiche, das sei eine ausgeschilderte Skulptur. Wäre ich die Runde doch lieber andersherum gegangen. mittlerweile habe ich auch einen Sreenshot von meiner Routenplanung bekommen und kann mich etwas besser orientieren. Ich gehe also zurück bis ich an dem Pfad bin, an dem ich heute morgen schon einmal versehentlich abgebogen bin. Hierüber müsste ich auf den Rothaarsteig kommen. Mir kommen zwei Radfahrer entgegen, die sich auch irgendwie verfranz haben. Als ich Ihnen sage, dass der Weg bald wieder breiter und besser ausgebaut ist, danken sie erleichtert. Ich biege nach links ab und suche die nächste Verbindung, die sich als ein noch schmalerer und verwucherter Pfad entpuppt. Aber hier gibt es wilde Erdbeeren und ich genieße die Einsamkeit im Wald. Nach kurzer Zeit bin ich dann aber doch auf dem Rothaarsteig. Hier ist alles ausgeschildert und der Weg befestigt, so dass ich gut voran komme. Es geht bergauf und schon bald erreiche ich die Feuereiche: Eine baumartige Skulptur, die im Dunkeln dank Sonnenenergie leuchtet. Es gibt ein paar Infotafeln zur Klimaveränderung und Naturschutz.

Danach wird der Weg überraschend schmal, was mir gut gefällt. es geht ganz schön rauf und runter und mir ist ganz schön warm. Auf einem Berg mache ich eine längere Pause, sitze auf einer Bank und betrachte die Bruchhauser Steine aus der Ferne und hänge meinen Gedanken nach, während mir der Wind um die Nase fegt. Am liebsten würde ich jetzt hier mein Zelt aufschlagen und den Tag beenden. Eigentlich müsste ich solche Touren viel öfter machen. Aber ich habe noch ein gutes Stück zu gehen. Mein Wasservorrat neigt sich schon dem Ende zu. Auf der Karte habe ich gesehen, dass ich an einem Friedhof vorbei kommen werde, dort kann ich zum Glück Wasser auffüllen.

Der Weg wird wieder zu einer breiten Schotterpiste und die Sonne knallt erbarmungslos von oben, Schatten durch Bäume gibt es leider keinen, alles abgeholzt und vertrocknet. Irgendwann wird es dann aber doch etwas waldiger und schon bald erreiche ich den Friedhof. Dieser ist aber eher ein altes Kriegerdenkmal, Wasser bekomme ich hier nicht. ein bis zwei Stunden habe ich aber wohl noch vor mir. Das Wasser habe ich natürlich jetzt aufgetrunken, super. Immerhin bringt Jörg mir eine extra Wasserflasche mit zum Trekkingplatz, das reicht dann hoffentlich.

Und dann sehe ich Schilder zu einer Hütte. Meine Schritte werden schneller und ich freue mich auf ein kaltes Getränk. Die Hütte ist wirklich schön, es gibt viele Sitzgelegenheiten draußen. Ich spüre die neugierigen Blicke auf mir und meinem großen Rucksack, als ich schweißgebadet einen freien Tisch im Biergarten suche. Leider kann man nicht mit Karte zahlen und das bisschen Bargeld, was ich noch dabei habe, reicht gerade so für eine Rhabarberschorle. Es gibt ein separates Toilettenhaus, was von innen eher einem Spa-Bereich ähnelt. Es gibt sogar einen Kamin. Ich wasche mir Schweiß und Staub aus dem Gesicht und von den Armen und fühle mich direkt viel besser. Dann trinke ich meine Schorle, die viel zu schnell leer ist. Ich bräuchte jetzt noch drei davon. Bevor ich weiter gehe, fülle ich meine Trinkflaschen nochmal auf. Jetzt geht’s mir viel besser.

Der Rothaarsteig lässt sich hier einfach gehen und ich komme gut voran. Viel Strecke muss ich heute aber auch nicht mehr machen. Keine Steigungen mehr, aber immer noch viel zu viel Sonne. Kurz vor dem Kyrill-Tor ist ein Kmeipp-Becken. Sofort ziehe ich Schuhe und Socken aus und drehe Runde um Runde. Am liebsten würde ich mich einfach ganz rein legen. Wehmütig ziehe ich mich nach ein paar weiteren Runden wieder an und marschiere weiter. Irgendwie ist ganz schön die Luft raus jetzt.

Kneipp-Becken

Nach ein paar Minuten erreiche ich das Kyrill-Tor, das mit dem Briloner Bürgerwald an die Zerstörungskraft, aber auch an den Wiederaufbau, des Orkans erinnert. Es besteht aus 14 massiven Fichtenstämmen. Jeder ist 20 Meter lang, bringt 1,5 Tonnen auf die Waage und kommt aus dem Briloner Stadtwald (Quelle: Briloner Bürgerwald). Gemeinsam mit dem Team von Trekout gab es hier mal einen Arbeitseinsatz und ich mache noch stolz ein paar Fotos von der Sponsorentafel. Dann nehme ich die letzten Meter für heute in Angriff. Natürlich bergauf.

Der Trekkingplatz ist wirklich liebevoll gestaltet, am Eingang wachsen heimische Gehölze, der komplette Platz ist gemulcht, Plattformen, Sitzgruppen und Toilettenhaus sind aus massiven Holz. Der Ausblick ist traumhaft. Der Freund, mit dem ich mich her treffe, hat sein Zelt schon auf einer Plattform aufgebaut und ich schnappe mir die andere. Diesmal baue ich nur das Innenzelt auf, um die Sterne sehen zu können. Ich habe Hunger und als wir die Kocher anwerfen, stelle ich mit entsetzen fest, dass ich vergessen habe, mir Abendessen einzupacken. Zähneknirschend mache ich mir mein Porridge und werde morgen wohl ohne Frühstück starten müssen. Wir sitzen noch recht lange draußen, reden und trinken Wein. Es ist immer noch keine Wolke am Himmel zu sehen, als ich schließlich in meinen Schlafsack krieche. Ich schaue in die Sterne und eigentlich ist es viel zu schön, um jetzt die Augen zuzumachen.

Tag 2 – Brilon

Also das mit dem schlafen ohne Außenzelt ist zwar furchtbar romantisch, aber auch furchtbar kalt. Zumindest wenn man so eine Frostbeule ist wie ich und nur den ganz dünnen Sommerschlafsack dabei hat. Ich bin also nachts irgendwann aufgestanden und hab das Außenzelt noch irgendwie drüber geworden. Zu meiner Überraschung schiebt Jörg mir morgens früh eine heiße Tasse Tee unter die Apsis von meinem Zelt und so kann ich noch gemütlich im Schlafsack liegen, während die Sonne langsam über die Hügel kriecht und mir ins Gesicht scheint. Ich habe auch schon fast wieder vergessen, dass mein Frühstück gestern als Abendessen herhalten musste. Wir frühstücken gemeinsam (für mich gibt es immerhin ein paar Snacks von gestern abend und furchtbar süßes Apfelmus aus der Tüte), dann packen wir zusammen und ich mache mich allein weiter auf den Weg Richtung Brilon.

Der Weg ist ziemlich unspektakulär und natürlich biege ich auch nochmal falsch ab. Es ist schon wieder ganz schön warm, obwohl die Sonne noch gar nicht hoch steht. In Brilon komme ich an einem Kneipp-Becken für die Arme vorbei. Leider kommt da kein Wasser raus, dabei hatte ich mich schon sehr auf eine Katzenwäsche gefreut. Auch der Trinkwasserbrunnen in der Stadt funktioniert leider nicht. Und während ich so durch die Stadt gehe, verpasse ich beinahe mein Ziel. Ganz unspektakulär stehen ein paar Steinpfosten mit dem Symbol des Steigs in der Stadt, die den Start, bzw mein Ziel, des Weges markieren. Ich trinke mit Jörg noch etwas in einem Café, bevor es heimwärts geht.

Fazit: Der Rothaarsteig ist viel schöner als ich gedacht habe und ich werde ihn mit Sicherheit noch weiter gehen.

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