Da ich weder eine Gletschertour, noch eine Bootsfahrt organisiert habe, genieße ich einfach einen entspannten Morgen. Um 8.00 krieche ich aus meinem Zelt, frühstücke ganz gemütlich. Grey ist ganz anders als die bisherigen Camps. Als Teil des W-Treks ist hier viel mehr Betrieb, ganz neue Gesichter, viele, die nur eine Nacht hier verbringen und dann weiter reisen. Als ich zurück zu meinem Zelt gehe, steht da ein riesiger Vogel zwischen den so langsam weniger werdenden Zelten. Ganz fasziniert beobachte ich ihn, bevor ich anfange, meine Sachen zusammenzupacken. In jeder Ritze ist dunkler feiner Sand

Ich bin mit Lucy verabredet und während sie noch ihre Sachen holt, schaue ich ein wenig durch den gut sortierten Shop und gönne mir einen Joghurt-Drink. Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich gestern so fertig war. Zum ersten Mal seit Tagen hatte ich das Gefühl, einfach nur ankommen und schlafen zu wollen, statt den Ort wirklich zu genießen. Grey ist ganz schön und ich bin mir sicher, dass es ein schöner Abend hätte werden können, wenn ich nicht so früh schlafen gegangen wäre.

Diesmal gehen wir wirklich zusammen. Wir treffen noch viele bekannte Gesichter und unterhalten uns recht lange. Lucy hat etwas Knieprobleme, aber heute wird nach dem Monster-Tag gestern zum Glück ein kurzer Tag. Quasi ein Spaziergang. 10 km liegen vor uns. Wir starten um viertel vor 11.

Es lässt sich wirklich gut gehen, die Sonne scheint. Wir reden über Träume, Ziele und die Dinge, die man immer auf später verschiebt, bis man irgendwann merkt, dass Jahre vergangen sind. Bei der erstbesten Gelegenheit machen wir eine Pause, genießen die warmen Sonnenstrahlen, legen eine Schicht Sonnencreme nach. Danach kommt ein noch viel besserer Spot, natürlichmachen wir auch dort halt. Es ist windig und ich ziehe meinen Pulli über. Schön, wenn man keinen Zeitdruck hat. So komme ich auch endlich mal dazu, die ganzen Snacks zu essen, die ich unnötigerweise mit mir rum schleppe. Ursprünglich hätte ich schon lange nachkaufen müssen laut meiner Planung, nur hab ich gar nicht so viel gegessen und da mittlerweile einige Leute wissen, dass ich nicht so viel dabei habe, werde ich auch fleißig mitversorgt.

Es geht immer wieder rauf und runter, nichts nennenswertes nach den letzten Tagen. Während wir weiterlaufen, fällt mir auf, dass mein linker Arm sich seltsam anfühlt. Er tut zwar weh, aber nicht so, dass ich mir ernsthaft Sorgen mache. Habe ich meine Uhr* zu eng gemacht? Ich nehme sie ab und stecke sie mir in die Hosentasche.

Als es dann doch mehr bergab geht, wird Lucy langsamer und ich gehe alleine etwas zügiger weiter. Der Gletscher ist mittlerweile gar nicht mehr sichtbar, stattdessen wirkt die Landschaft rau und trocken. Geisterbäume stehen überall und verleihen der Landschaft etwas Unwirkliches. Ich gehe weiter bis zum nächsten Bach, wo ich mein Wasser auffülle. Ich treffe eine Gruppe Frauen und überlege, ob ich sie darauf ansprechen soll, dass sie nicht so nah am Wasser pinkeln gehen sollten, entscheide mich dann aber dagegen.

Am nächsten See mache ich eine Pause. Zu gerne würde ich ins tiefblaue Wasser springen. Ich verarzte nochmal die Blasen an meinen Füßen, als mich zwei junge Mädels ansprechen, ob alles in Ordnung mit meinem Fuß ist. Ich erkläre, dass er nur vorsorglich getaped ist, da ich schon länger Schwierigkeiten damit habe und gerade nur mit den doofen Blasen kämpfe.

Schließlich holt Lucy mich wieder ein. Wir gehen das letzte Stück zusammen und langsam taucht der Lago Grey wieder vor uns auf. Dann ein sehr modernes Gebäude. Ist das schon das Paine Grande? Nein, ist es nicht, aber kurz darauf liegt es vor uns. Und es ist riesig. Wir checken zunächst ein und suchen uns dann gute Zeltplätze. Zum Glück ergattern wir etwas nah am Berg, der uns hoffentlich vor den berüchtigten Winden hier beschützt. Es gibt auch Zeltplattformen mit Windschutzwänden. Und haufenweise Zelte, die alle gleich aussehen. Das müssen die Mietzelte sein. Hier herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Überall sitzen Menschen aus aller Welt, manche planen die nächsten Etappen, andere feiern das Ende ihres Treks. Das Restaurant ist groß, mit einem Barbereich im Obergeschoss und riesiger Glasfront. Ich gönne mir Pizza, ein Bier und W-LAN. Die Duschen sind in Ordnung, könnten aber wärmer sein.

Danach sitze ich noch etwas draußen in der Sonne, bevor ich ein paar andere drinnen entdecke. Ich bleibe während des Essens noch eine Weile dort und ergattere das ein oder andere Dessert. Vollgefuttert ziehe ich mich schließlich ins Zelt zurück. Morgen wartet schon wieder eine lange Etappe. Noch ein letzter Blick auf den nächsten Tag, dann stelle ich den Wecker auf 5:30 Uhr.

Meine Packliste findest du hier!

Du brauchst mehr Infos zu den Etappen und Camps? Einen kompletten Guide habe ich dir hier zusammengeschrieben.

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