Ich bin früh wach, schnappe mir meine Kamera und warte auf den Sonnenaufgang in der Wüste. Ich beobachte die Tautropfen auf dem Zeltdach vor unserem Balkon und wunder mich, dass so viel Feuchtigkeit in der Luft gewesen ist. Der Sonnenaufgang ist ziemlich unspektakulär und so krieche etwas enttäuscht zurück ins Bett.

Bevor es zu hei wird, stapfen wir dann aber doch durch die Wüste. Es ist irre anstrengend, durch den weichen Sand bergauf zu gehen. Noch dazu ohne Frühstück. Um uns herum fährt ein Omani mit einem fetten SUV. Ich verdrehe die Augen. „Wetten, der will uns gleich irgendwo hin fahren?“ Oben angekommen sehen wir: Sand. Sand soweit das Auge reicht. Und Plastikmüll, natürlich. Wir machen eine ausgiebige Fotosession, dann geht es zurück Richtung Apartment. Wahnsinn, wie schnell sich der Sand aufheizt. Ich stehe auf einer Düne und grinse Marcel abenteuerlustig an. „Mach doch“ sagt er. Dann springe ich aber doch nicht sondern lasse mich mit großen Schritten den Hügel runter rutschen.

Zurück im Apartment packen wir unsere Sachen und fahren zu einem Supermarkt. Mir knurrt der Magen und wir gönnen uns tatsächlich so etwas wie ein Frühstück: Wraps mit Humus und Tomatenmark. Im Auto. Unser nächstes Ziel ist das Wadi Bani Khalid. Ein Wadi beschreibt eine Art trockenes Flussbett oder Tal, das nur zeitweise Wasser führt. Wadis können unterschiedliche Größen und Formen haben, von kleinen Erosionstälern bis hin zu größeren Flusstälern. In einigen Teilen der Welt, wie etwa im Nahen Osten oder Nordafrika, sind Wadis landschaftsprägend und spielen eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt in diesen Regionen, Das Wadi Bani Khalid ist ein beeindruckendes Wadi im Sultanat Oman, das für seine atemberaubende natürliche Schönheit und seine Wasserstellen bekannt ist. Es liegt im Osten des Oman, in der Region Ash Sharqiyah. Es ist etwa 250 Kilometer von der Hauptstadt Muscat entfernt.

Wir erreichen den Parkplatz und sind umgeben von spektakulären ockerfarbenen Felsformationen und grünen Palmenhainen. Wir gehen zu Fuß weiter in das Wadi. Kurz darauf öffnet sich das Tal etwas und wir erreichen einen kleinen See, mit Café (natürlich geschlossen weil Ramadan). Die Kombination aus Wasser, Felsen und Vegetation schafft eine malerische Landschaft. Das Wadi zeichnet sich durch seine tiefen, klaren Pools aus, die von kristallklarem Wasser gespeist werden. Diese natürlichen Wasserstellen bieten eine erfrischende Abkühlung die ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Ich schlüpfe aus meinen Sachen (Badeanzug habe ich in weiser Voraussicht schon drunter), ziehe mir mein Schwimmshirt an und plansche herum. Man kann sowohl schwimmend, als auch zu Fuß tiefer ins Wadi hinein. Ich drücke Marcel meine Sachen in die Hand und schwimme los. Es ist nur ein kleines Stück aber ich finde es ziemlich cool, durch den schmalen Fluss zu schwimmen. Ich klettere etwas unbeholfen aus dem Wasser uns setze mich zu Marcel in den Schatten. Irgendwo soll es auch noch eine Höhle gehen. Aber nachdem ich bei dem Versuch, weiter durch das Wasser zu gehen, ausrutsche und in einer astreinen Plank lande, nehmen wir beide den Landweg. Das Tal öffnet sich wieder und von Wasser ist erstmal nichts mehr zu sehen. Die Höhle ist mit einer Treppe zu erreichen, gehört aber eher zur Kategorie Kriechen und Stirnlampe. Uns ist nicht so nach durch dunkle Gänge schieben und ich beschließe kurzerhand, das Tal noch etwas weiter zu erkunden. Das Wadi bietet auch Wander- und Trekkingmöglichkeiten entlang seiner Wasserläufe und in die umliegenden Berge. Ich finde eine Wegmarkierung und folge ihr bergauf. Schnell entwickelt sich der Weg zu einer ordentlichen Kraxelei. Damit habe ich nicht gerechnet. Mit Hinblick auf mein Schuhwerk drehe ich seufzend um. Ich wäre wirklich gerne bis nach oben geklettert, aber das ist mir in Turnschuhen doch etwas zu riskant.

Wir machen uns auf den Rückweg zum Auto und während ich die Dromedare am Straßenrand betrachte zieht ein kleiner Sandsturm auf. Gestern die Überschwemmungen, heute Sandsturm. Wir nehmen aber auch wirklich alles mit.

Zwei Stunden später parken wir unser Auto in Sur. Am Meer!
Sur ist eine Stadt im Osten des Sultanats Oman und liegt an der Küste des Arabischen Meeres. Die Stadt hat eine reiche maritime Geschichte und ist für ihre Rolle im Schiffbau, insbesondere beim Bau von Dhau-Schiffen, bekannt. Der Schiffbau ist auch heute noch ein bedeutender Wirtschaftszweig in der Stadt. Es ist fast nichts los am Strand und wir gehen erstmal ein Stück am Wasser spazieren. eigentlich würde ich gerne sofort rein springen, das Wasser hat fast Badewannentemperatur. Aber wir wissen noch gar nicht, wo wir schlafen und essen sollen. ich genieße den Augenblick, wir sammeln ein paar bunte Muscheln und setzen uns auf eine Mauer an der Promenade und suchen nach einer Unterkunft. Dann hält ein Polizeiauto, der Polizist steigt aus und winkt. Meint der uns? Fragend sehe ich ihn an. Ja er meint uns… Er will Marcels Pass sehen. Marcel zeigt ihm seinen Ausweis, der Polizist schaut einmal drauf, das wars. Komische Nummer. Naja. Sur haut uns nicht wirklich vom Hocker und wir buchen ein Hotel etwas außerhalb der Stadt. Ich will aber noch schwimmen gehen! Wir beziehen das Zimmer, packen die Badesachen und fahren nochmal zu einem Strand. Wobei der Strand eigentlich ein abgestorbenes Korallenriff ist. Ich habe etwas Angst, mir die Füße aufzuschneiden, als ich vorsichtig ins Wasser wate. Alles liegt voller toter Kugelfische. Zufrieden komme ich aus dem Wasser, als die Sonne langsam untergeht.

Zurück am Hotel suchen wir ein Restaurant. Es gibt eins direkt nebenan. Wir fragen, ob sie auch etwas vegetarisches haben („Ich lasse dich nicht schon wieder trockenen Reis mit Salat essen“). Haben sie nicht, aber der Koch ist in einer Stunde da, dann könnte er mir etwas machen. Das klingt gut. Wir spazieren nochmal ans Wasser und schauen aufs Meer, solange wir warten. Das Licht taucht alles um uns herum in sanfte Pastelltöne.

Eine Stunde später stehen wir wieder an dem Restaurant und ich bekomme tatsächlich etwas richtiges zu essen. Es ist sogar viel besser, als ich mir das vorgestellt habe. Ein guter Abschluss für einen tollen Tag.

Die Route findest du hier.

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Ich war kurz davor in die Lavapools zu hüpfen, aber irgendwie auch nur fast 😅
Und dann geht es auch schon wieder bergab. Es geht runter von der Straße auf einen kleinen Trampelpfad, den vermutlich schon sehr lange niemand mehr benutzt hat. Und auf einmal fängt es an zu schütten. Innerhalb von Sekunden bin ich nass bis auf die Haut. Ich hocke mich unter einen einsamen, niedrigen Baum, der etwas in den Weg ragt. Der Regen wird nicht weniger und wirklich viel Schutz bietet der Baum auch nicht. Zähneknirschend gehe ich weiter, der Weg wird immer schmaler und die Abhänge steiler. Hier und da muss ich etwas kraxeln. Ein bisschen mulmig ist mir mit meinen nassen, matschigen Schuhen dabei schon. Und auf einmal sehe ich die Felsen von Janela. Da hätte ich mir den Stopp auch sparen können. Anstatt weiter zum Strand abzusteigen, beschließe ich, die Route etwas abzukürzen. Und lande auf einer kleinen Nebenstraße, die wegen Steinschlaggefahr für Autos (?) gesperrt ist. Und hier liegen ordentlich Steine herum. Aufmerksam gehe ich weit am Rand entlang. Hoffentlich kracht nicht ausgerechnet jetzt etwas herunter. Nach fast 10 Kilometern mit gut 500 Höhenmetern komme ich erschöpft wieder in Porto Moniz an. Und ich kann erahnen, dass das hier ein ganz schönes Weihnachts-Wonderland ist, wenn es dunkel ist.
Ich finde zum Glück einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe meiner Unterkunft, besorge schnell etwas zum Kochen für den Abend in einem kleinen Supermarkt und bin immer noch unschlüssig. Das Wetter scheint sich etwas stabilisiert zu haben, Badewetter ist natürlich nicht. Ach was soll’s, ich bin zum Wandern hier, denke ich. Im Auto schlüpfe ich in meine Wandersachen, suche schnell eine Route aus und marschiere los. Immer bergauf. Schnell bin ich außer Atem. Wer baut solche Straßen? Und wer fährt diese Straßen mit dem Auto hoch? Aber ich werde schnell mit wunderbaren Aussichten auf Porto Moniz und das Meer belohnt. Ich komme durch einen kleinen Ort, in dem mich von einem Garagendach ein Hund so böse anbellt, dass ich Angst habe, er könnte herunterspringen und mich anfallen. Ich versuche ihn nicht zu beachten und gehe zügig weiter. Die Wege sind nicht immer ganz leicht zu finden und manchmal wundere ich mich etwas über die Streckenführung.
Als nächstes geht es zum Praia da Ribeira da Janela, einem malerischen Strand in der Nähe des kleinen Dorfes Ribeira da Janela. Dieser Strand zeichnet sich durch seine wilde und natürliche Schönheit aus, die von dramatischen Felsformationen und der rauen See des Atlantiks geprägt ist. Die markanten Felsformationen im Wasser, die steil aus dem Meer ragen, verleihen dem Ort einen einzigartigen, fast mystischen Charme. Der Strand selbst besteht hauptsächlich aus Kieselsteinen und großen Felsen, was ihm einen unberührten und natürlichen Charakter verleiht.
Weiter geht es nach Seixal. Die charmante Stadt bot mir während meines kurzen Zwischenstopps eine eindrucksvolle Kulisse. Obwohl die berühmten Lavapools aufgrund der stürmischen See an diesem Tag nicht begehbar waren (und mir wäre es vermutlich sowieso viel zu kalt gewesen), konnte ich dennoch die raue Schönheit und die kraftvolle Energie des Atlantiks erleben. Schon bei meiner Ankunft spürte ich den wilden Charme von Seixal. Die hohen Wellen, die gegen die schwarzen Lavaklippen prallten, erzeugten eine dramatische und zugleich faszinierende Atmosphäre. Auch wenn das Schwimmen in den natürlichen Pools nicht möglich war, genoss ich den Anblick des tosenden Meeres, das die Küste in ein wildes Schauspiel verwandelte. Die Stadt selbst strahlt eine gemütliche und einladende Atmosphäre aus. Die kleinen Gassen und die traditionellen Häuser mit ihren roten Dächern spiegeln den authentischen Charakter Madeiras wider. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdeckte ich charmante Cafés und Restaurants, in denen man es sich sicher sehr gut gehen lassen kann. Und eine Straße mit 33 % Steigung! Besonders beeindruckend war der Blick vom Ufer aus auf die steilen, grün bewachsenen Klippen, die sich majestätisch über dem Atlantik erhoben. Seixal ist auch einer der wenigen Orte auf Madeira, die einen Strand haben.
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