Ich stehe auf und schaue irritiert aus dem Fenster. Es regnet. Das hatten wir so gar nicht erwartet, schließlich sind wir doch hier, um dem tristen Wetter in Deutschland zu entfliehen. Es soll aber besser werden, also machen wir uns fertig, packen das Auto und fahren zur Festung, welche majestätisch im Herzen der kleinen Stadt thront. Sie wurde im 12. Jahrhundert errichtet und ist ein hervorragendes Beispiel für traditionelle omanische Baukunst.

Bahla Fort

Die Festung besteht aus Lehmziegeln, getrocknet in der Sonne, was zu ihrer auffälligen sandfarbenen Erscheinung beiträgt. Sie wurde zusammen mit der Altstadt von Bahla von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft.

Wir werden sehr freundlich empfangen und müssen auch keinen Eintritt zahlen. Die mächtigen Lehmmauern dienten zu ihrer Verteidigung. Hohe Türme bieten nicht nur Schutz, sondern auch einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Landschaft. Von hier kann man die Berge sehen, die grünen Oasen. Und irgendwo in der Ferne liegt die Wüste, unser Tagesziel für heute. Die Festung von Bahla hat eine reiche Geschichte und spielte eine Schlüsselrolle in der Verteidigung der Region. Sie diente als Residenz für lokale Führer und als Bollwerk gegen Eindringlinge. Die Mauern umschließen einen geräumigen Innenhof, der von verschiedenen Räumen und Korridoren umgeben ist. Diese Räume wurden historisch für verschiedene Zwecke wie Wohnen, Lagern und Verteidigung genutzt. Jetzt dienen sie vor allem Fledermäusen als Schlafplatz und ich erschrecke mich ganz schön, als eine auf einmal hektisch durch den Raum flattert. Obwohl wir auf jeden Turm geklettert sind, braucht man nicht allzu lang, um alles zu sehen. Als wir raus gehen, bedankt sich der Pförtner noch einmal für den Besuch seines Landes. Für uns heißt es jetzt: Ab in die Wüste!

Umwege

Ich passe beim navigieren nicht richtig auf und so nehmen wir nicht die Hauptstraße. Ist doch sowieso viel schöner. Die Straße schlängelt sich durch ein Tal und immer wieder sehen wir die Spuren des Wassers auf de Straße. Zum Glück sind wir letzte Nacht nicht im Jabal Shams geblieben, die Straße ist nach dem Regen bestimmt sehr matschig. Wir sehen nicht nur Schlamm und Geröll auf der Straße, schon bald fahren wir durch knöchelhohes Wasser. Dann wird es noch tiefer. Und dann stehen auf einmal Autos auf der Straße. Wir steigen aus und als wir um die Kurve gehen, stockt uns der Atem. Vor uns liegt ein breiter Fluss, bestimmt 30 m breit. Und tief. Alle stehen etwas ratlos am Ufer, der ein oder andere Geländewagen kämpft sich durch die Fluten, waghalsige Manöver. Auf einem Pickup sitzen acht Jungs auf der Ladefläche. Für uns ist klar: Hier kommen wir niemals durch.

Also drehen wir und nehmen die Route, die wir eigentlich nehmen wollten, bevor wir falsch abgebogen sind. Aber auch hier ist immer wieder Wasser auf der Straße, und irgendwie wird das immer tiefer. Oft bleiben wir erstmal am Straßenrand stehen und schauen, wo welche Autos durchfahren, bevor wir uns selbst durchtrauen. Auch wenn wir versuchen, alles mit Humor zu nehmen, kann man die Anspannung spüren. Oh man, mit sowas haben wir echt nicht gerechnet. Dann stehen wir wieder in einer Autoschlange und sehen uns das Übel zu Fuß an. „ich fahr da nicht durch“ sagt Marcel, ich betrachte nachdenklich die Autos, die durch das Wasser fahren, vertraue aber seiner Entscheidung. Also drehen wir wieder. Dann steuern wir erstmal eine Tankstelle an, Essen ein Eis für die Nerven (und gegen den knurrenden Magen) und suchen nach einer alternativen Route. Es gibt zum Glück noch eine Strecke, die wir noch nicht versucht haben. Weiter geht´s.

Und dann kommt der Regen. Nicht ein bisschen, sondern Literweise prasselt der Regen aufs Auto, viele fahren mit Warnblinkern oder bleiben sogar stehen, weil die Sicht so schlecht ist. Von wegen trocken! Der Regen hört so plötzlich auf, wie er gekommen ist und endlich wird die Gegend ebener und trockener. Wir sehen die ersten Dromedare am Straßenrand und meine Laune ist um einiges besser.

Leider haben wir uns zu früh gefreut und schon bald fahren wir wieder durch Überflutungen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es mit jedem Mal tiefer wird. Aber mittlerweile klappt das ganz gut, die Autos fahren einspurig ins Wasser hinein, immer auf der Fahrbahn die zur strömungsseite liegt. Aber es wäre ja langweilig, wenn alles reibungslos funktionieren würde.

Unser Auto ist kein Boot

Der nächste Fluss den wir durchqueren müssen ist breit und tief. Ich will da nicht durch, aber irgendwie müssen wir ja aus dem Gebiet raus und bei dem Regen, der da noch runter gekommen ist, wird es garantiert nicht besser werden. Wer weiß, ob hier nicht bald alles unter Wasser steht. Langsam fahren wir in das Wasser, auf der linken Spur, weil von links das Wasser kommt. Mit Schrecken sehe ich auf der rechten Seite ein Auto in der Böschung, vollgelaufen mit Wasser. Mein Herz fängt an zu rasen. Auf einmal fährt von der anderen Seite jemand los, was für ein Idiot! Wir müssen nach rechts ausweichen und dann spüre ich, wir wir die Traktion verlieren. Das Wasser drückt uns immer weiter nach rechts Richtung Abgrund. Panisch kralle ich mich in Marcels Schulter (er wird Blutergüsse davon haben), der geistesgegenwärtig anfängt zu hupen. Während er versucht, die Kontrolle über das Auto zu bekommen, sehe ich uns schon ertrinken. Dann setzt sich der Radlader, der ein ganzes Stück vor uns ist, in Bewegung. „Er holt uns!“ wiederhole ich immer wieder. Ich weiß nicht, ob ich versuche Marcel oder mich damit zu beruhigen. Der Radlader setzt sich neben uns und hält das Wasser von uns ab, flankiert uns auf die andere Seite. Marcel hält mir sein Handgelenk hin, „fühl mal meinen Puls“ sagt er. Genauso hoch wie meiner. Tränen laufen mir übers Gesicht. Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst.

Danach müssen wir zum Glück nur noch einmal durchs Wasser, zwar ein langes Stück, aber bei weitem nicht so tief und mit kaum Strömung. Wir sehen wieder Berge am Horizont und Dromedare am Straßenrand. Keine Überraschungen mehr bitte.

Endlich Wüste

Zum Glück fährt es sich bis Al Raka nun gut und wir parken das Auto irgendwo in einem einfachen Wohngebiet. Aus den ursprünglichen 215 km sind mal eben über 400 km geworden. Ich will endlich Sand unter meinen Füßen spüren! Als wir das Auto verlassen, werden wir sofort von einer Gruppe Kindern begutachtet. Wir spielen etwas mit dem Ball, während wir den ersten Sandberg erklimmen. Das älteste Mädchen spricht sogar ein bisschen Englisch. Wir machen Fotos und die Kinder albern herum, posieren vor der Kamera. Wir gehen nicht allzu weit in die Wüste hinein, schließlich haben wir weder eine Unterkunft, noch etwas gegessen. Als wir zurück zum Auto gehen, werden die Kinder aufdringlicher und ich bin etwas überfordert mit der Situation. Trotz mehrfachen energischen „Stop it“ von Marcel klebt mir permanent jemand an der Kleidung oder an der Kamera. Sie fangen an zu betteln und letztendlich knalle ich mit etwas schlechtem Gewissen die Autotür einfach zu, die Kinder klopfen noch ans Fenster.

Wir verlassen das Wohngebiet erstmal und schauen online nach einer Unterkunft. Ich würde eigentlich gerne in so ein Wüstencamp, aber auch da kommen wir mit dem Auto nicht hin. Letztendlich entscheiden wir uns für ein Apartment mit etwas unfreundlichen Eigentümern. Aber es gibt ein Zelt mit Blick in die Sandhügel, wo wir es uns erstmal gemütlich machen. Als die Sonne untergegangen ist, fahren wir in den Ort, um ein Restaurant zu suchen. Wir hatten auf dem Hinweg einiges gesehen, aber noch nicht entschieden. Der Ort ist voller junger Männer und das erste Mal fühle ich mich nicht wohl, vermutlich total unbegründet. dennoch steigen wir nicht aus, sondern suchen mit dem Auto etwas außerhalb nach einem Restaurant. Wir werden fündig und landen bei einem sehr gastfreundlichen Syrer, der sich mit uns auf den Boden setzt und mit uns Vorspeisen teilt, die wir gar nicht bestellt haben. Er ist sehr redselig und wir haben viel Spaß, bis er irgendwann zum Gebet nach Hause verschwindet. Wir fahren zurück in unser Apartment, gehen ein paar Meter in die Dünen und versuchen noch ein paar Fotos vom Sternenhimmel zu machen, allerdings ist es hierzu vermutlich etwas zu früh und zu bewölkt. etwas enttäuscht gehen wir rein und schlafen erschöpft ein.

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Ich war kurz davor in die Lavapools zu hüpfen, aber irgendwie auch nur fast 😅
Und dann geht es auch schon wieder bergab. Es geht runter von der Straße auf einen kleinen Trampelpfad, den vermutlich schon sehr lange niemand mehr benutzt hat. Und auf einmal fängt es an zu schütten. Innerhalb von Sekunden bin ich nass bis auf die Haut. Ich hocke mich unter einen einsamen, niedrigen Baum, der etwas in den Weg ragt. Der Regen wird nicht weniger und wirklich viel Schutz bietet der Baum auch nicht. Zähneknirschend gehe ich weiter, der Weg wird immer schmaler und die Abhänge steiler. Hier und da muss ich etwas kraxeln. Ein bisschen mulmig ist mir mit meinen nassen, matschigen Schuhen dabei schon. Und auf einmal sehe ich die Felsen von Janela. Da hätte ich mir den Stopp auch sparen können. Anstatt weiter zum Strand abzusteigen, beschließe ich, die Route etwas abzukürzen. Und lande auf einer kleinen Nebenstraße, die wegen Steinschlaggefahr für Autos (?) gesperrt ist. Und hier liegen ordentlich Steine herum. Aufmerksam gehe ich weit am Rand entlang. Hoffentlich kracht nicht ausgerechnet jetzt etwas herunter. Nach fast 10 Kilometern mit gut 500 Höhenmetern komme ich erschöpft wieder in Porto Moniz an. Und ich kann erahnen, dass das hier ein ganz schönes Weihnachts-Wonderland ist, wenn es dunkel ist.
Ich finde zum Glück einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe meiner Unterkunft, besorge schnell etwas zum Kochen für den Abend in einem kleinen Supermarkt und bin immer noch unschlüssig. Das Wetter scheint sich etwas stabilisiert zu haben, Badewetter ist natürlich nicht. Ach was soll’s, ich bin zum Wandern hier, denke ich. Im Auto schlüpfe ich in meine Wandersachen, suche schnell eine Route aus und marschiere los. Immer bergauf. Schnell bin ich außer Atem. Wer baut solche Straßen? Und wer fährt diese Straßen mit dem Auto hoch? Aber ich werde schnell mit wunderbaren Aussichten auf Porto Moniz und das Meer belohnt. Ich komme durch einen kleinen Ort, in dem mich von einem Garagendach ein Hund so böse anbellt, dass ich Angst habe, er könnte herunterspringen und mich anfallen. Ich versuche ihn nicht zu beachten und gehe zügig weiter. Die Wege sind nicht immer ganz leicht zu finden und manchmal wundere ich mich etwas über die Streckenführung.
Als nächstes geht es zum Praia da Ribeira da Janela, einem malerischen Strand in der Nähe des kleinen Dorfes Ribeira da Janela. Dieser Strand zeichnet sich durch seine wilde und natürliche Schönheit aus, die von dramatischen Felsformationen und der rauen See des Atlantiks geprägt ist. Die markanten Felsformationen im Wasser, die steil aus dem Meer ragen, verleihen dem Ort einen einzigartigen, fast mystischen Charme. Der Strand selbst besteht hauptsächlich aus Kieselsteinen und großen Felsen, was ihm einen unberührten und natürlichen Charakter verleiht.
Weiter geht es nach Seixal. Die charmante Stadt bot mir während meines kurzen Zwischenstopps eine eindrucksvolle Kulisse. Obwohl die berühmten Lavapools aufgrund der stürmischen See an diesem Tag nicht begehbar waren (und mir wäre es vermutlich sowieso viel zu kalt gewesen), konnte ich dennoch die raue Schönheit und die kraftvolle Energie des Atlantiks erleben. Schon bei meiner Ankunft spürte ich den wilden Charme von Seixal. Die hohen Wellen, die gegen die schwarzen Lavaklippen prallten, erzeugten eine dramatische und zugleich faszinierende Atmosphäre. Auch wenn das Schwimmen in den natürlichen Pools nicht möglich war, genoss ich den Anblick des tosenden Meeres, das die Küste in ein wildes Schauspiel verwandelte. Die Stadt selbst strahlt eine gemütliche und einladende Atmosphäre aus. Die kleinen Gassen und die traditionellen Häuser mit ihren roten Dächern spiegeln den authentischen Charakter Madeiras wider. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdeckte ich charmante Cafés und Restaurants, in denen man es sich sicher sehr gut gehen lassen kann. Und eine Straße mit 33 % Steigung! Besonders beeindruckend war der Blick vom Ufer aus auf die steilen, grün bewachsenen Klippen, die sich majestätisch über dem Atlantik erhoben. Seixal ist auch einer der wenigen Orte auf Madeira, die einen Strand haben.
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