Der O-Trail in Patagonien erwartet mich, aber wie kommt man eigentlich dorthin? Für mich ging es zunächst von Düsseldorf nach Madrid, dort ein Sprint durch den Flughafen inklusive Terminal Wechsel mit dem Zug, danach folgte ein laaaaaanger Flug nach Santiago de Chile. Von dort aus dann ein zum Glück nicht mehr ganz so langer Flug nach Punta Arenas.

Santiago de Chile

Aber bleiben wir zunächst in Santiago. Fast sieben Millionen Menschen leben hier Nach fast 14h Nachtflug komme ich total übermüdet gegen halb 10 in Chile an. Da der Anschlussflug nach Puerto Natales erst acht Stunden später geht, habe ich mir vorgenommen, die Stadt etwas zu erkunden. Was ich nicht wusste: mein Gepäck muss aus- und wieder eingecheckt werden. Nach der Passkontrolle hole ich also mein Gepäck und muss dann durch den Zoll, da ich Lebensmittel im Gepäck habe. Eine kurze Röntgenkontrolle, das wars. Die Tasche wird noch nicht einmal geöffnet. Im Flughafen versuche ich herauszufinden, wo ich das Gepäck wieder aufgeben kann, während ich mir noch schnell eine e-SIM bestelle. Ich muss das Terminal wechseln, na toll. Die Tasche mit dem Rucksack geschultert stapfe ich in die Sonne. Fast 30 Grad Hitze erwarten mich – völlig unerwartet. Und dann stehe ich da, in meinen Kompressionsstrümpfen unter der Leggings und einem ollen weißen Top, weil ich definitiv nicht meinen Hoodie anlassen werde. Es gibt wohl Busse zum anderen Terminal. Und Taxis. Eigentlich hätte man auch laufen können, das wusste ich zu dem Zeitpunkt nur noch nicht. Unzählige Taxifahrer sprechen mich an, die ich alle dankend abwimmel. Dann spricht mich jemand mit Namensschild an. „I’m official, do you need some help?“ Eigentlich schon, ja. Ich sage, dass ich mein Gepäck aufgeben muss und danach in die Stadt möchte. Dann erklärt er mir, dass Latam erst 2h vorher das Gepäck annimmt. Aber es gibt Touren, ganz offiziell, ein Fahrer macht die Stadttour, das Gepäck bleibt solange im Auto, alles wird bei der Fluggesellschaft gemeldet. Klingt erstmal gut und ich sage spontan zu. Schnell ist ein Wagen gerufen und mein Gepäck im Kofferraum. Ich soll bar bezahlen. Hab nur noch kein Bargeld. Der Typ begleitet mich zum Geldautomaten, kassiert, dann lasse ich mir noch ein Trinkgeld abschwatzen. Dem Fahrer soll ich nachher kein Trinkgeld mehr geben, es ist alles bezahlt. Erst da realisiere ich, wie unfassbar teuer die Tour ist. Was soll’s. Ich bin nicht allein, muss mich nicht darum kümmern, wo ich hinwill, wie ich dorthin komme oder wann ich zurückfahren muss um pünktlich am Flughafen zu sein und eigentlich ist der Urlaub sowieso schon teuer genug.

Wir starten die Tour und suchen uns einen Weg ins Stadtzentrum, es ist womans day und die halbe Stadt ist gesperrt, weil es später eine Parade geben wird. Feiertag ist auch. Wir parken irgendwo an einem Hotel und gehen in Richtung Palacadio de La Moneda, in dem sich der Sitz des Chilenschen Präsidenten befindet. Vorher bietet mein Guide mir noch an, ein Museum zu besuchen, worauf ich aber nicht so viel Lust habe. Am Plaza de Armas de Santiago angekommen, fühle ich mich direkt viel wohler. In der Mitte des Platzes ist ein kleiner Park mit Palmen und kleinen Ständen. Wir besuchen die Kathedrale und mein Guide erklärt mir einiges über die Stadt und über die Menschen, die größtenteils katholisch sind und regelmäßig zur Kirche gehen. Die Verständigung klappt manchmal nicht ganz so gut.

Dann geht es zurück zum Auto und zum Cerro San Christobal, das absolute Highlight für mich in dieser Stadt. Wir fahren an hippen kleinen Restaurants vorbei und ich hoffe, dass wir genug Zeit haben, um hier später einzukehren. Aber vorher geht es mit der Zahnradbahn auf den Berggipfel. Oben Angekommen bestaune ich die umliegenden Berge, die in dem Smog der Stadt liegen. Ich habe ein Kombiticket gekauft und fahre mit der Seilbahn wieder nach unten. Leider habe ich nicht genug Zeit, um mich an der langen Schlange an der Eisdiele anzustellen. Der Guide wartet an der Seilbahn auf mich, die tatsächlich komplett woanders endet, als die Bahn gestartet ist. Essen in einem hippen Restaurant? Fehlanzeige.

Wir fahren weiter in eine Mall. Nach shoppen ist mir nun wirklich nicht. Vielleicht hätte ich mich doch etwas mehr mit der Stadt auseinandersetzen sollen. In der Mall ist ein Aussichtsturm, der Sky Costanera. Das klingt schon besser. Kostet natürlich wieder Eintritt. Ist auch ganz cool, 61 Stockwerke, oben gibt es einen DJ und alles ist aus Glas. Allerdings ist die Aussicht nicht viel anders als auf dem Berg, hätte man sich klemmen können und das Geld in Essen investieren. Naja.

Santiago ist riesig, laut und irgendwie zerrissen – moderne Malls neben bröckelnden Häusern, Street Art vor Hochhäusern. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet – und bin immer noch nicht sicher, ob ich es verstanden habe.

Die Zeit ist auch schon um und ich bin überpünktlich zurück am Flughafen. Trinkgeld will er natürlich trotzdem haben. nach kurzer Diskussion gebe ich nach. und habe noch Zeit für einen mittelmäßigen Burger am Flughafen. Fast vergesse ich, dass ich ja auch nochmal durch die Sicherheitskontrolle muss und so wird es doch wieder etwas stressig.

Mit dem Flugzeug geht es weiter über die Anden und nach weiteren 2,5 Stunden Flug erreiche ich endlich Punta Arenas.

Punta Arenas

Ich habe mir ein ganz einfaches Zimmer relativ nah zum Flughafen gemietet, schließlich will ich am nächsten Morgen um 11.00 Uhr schon weiter reisen nach Puerto Natales. Ich spreche ein Paar am Flughafen an und wir teilen uns ein Uber, die beiden müssen zufälligerweise nur ein paar hundert Meter weiter als ich. Für mich meine erste Fahrt mit Uber und ich bin begeistert, wie einfach das ging. Und wie billig es war. Mir dämmert, dass ich meine Stadtrundfahrt so für einen Bruchteil des Geldes hätte machen können… Was solls zu spät, nicht weiter drüber nachdenken.

Punta Arenas liegt an der Magellanstraße – ganz im Süden von Chile, wo der Wind fast immer bläst und das Wetter stündlich wechselt. Die Stadt gilt als Tor nach Patagonien, viele reisen von hier weiter in die Weite. Sie wirkt auf mich funktional, nicht besonders charmant – aber vielleicht ist das genau ihre Art zu sagen: Weitergehen lohnt sich.

Der Vermieter von der Unterkunft ist ein junger Typ und morgens gibt es ein ganz passables Frühstück. Mit selbst gebackenen Muffins, wovon ich mir einen als Snack für den Bus einpacke. Nach einer kurzen Aussperraktion meinerseits kann es dann mit etwas Verzögerung weiter gehen. Zur Bushaltestelle ist es nicht weit, und das, was ich von Punta Arenas an dem Morgen sehe, überzeugt mich nicht so richtig. Die Busfahrt dauert mehr als drei Stunden, es gibt WLAN und USB Anschlüsse, aber keine Verpflegung zu kaufen. Ich hatte irgendwie erwartet, dass der Bus voller Backpacker auf dem Weg zum O-Trail wäre, aber dem scheint nicht so zu sein.

Puerto Natales

Ich habe mir ein Einzelzimmer in einem Hostel gemietet, wo ich das Gepäck, was ich für den Trail nicht brauche, Zwischenlagern kann, da ich nach dem Trail noch eine Nacht dort verbringen werde.

Es ist Sonntag und ich möchte am liebsten schon alle Einkäufe für den Trail erledigen. Auch wenn ich relativ viele Lebensmittel dabei habe, brauche ich noch ein paar Snacks und etwas zu trinken für die Busfahrt nach Torres del Paine. Mein Hostel hat keine richtige Küche, also werde ich die nächsten zwei Abende wohl essen gehen müssen.

Ich starte meine Tour durch die Stadt am Monumento Viento, und hier bläst einem wirklich der Wind um die Ohren. Im Hintergrund der Última-Esperanza-Fjord und schneebedeckte Berge. Das ist genau das, was ich gebraucht habe. ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit und Stolz erfüllt mich, dass ich das hier ganz alleine mache. Ein Kribbeln steigt auf – Vorfreude auf die nächsten Tage auf dem O-Trail.

Gut gelaunt suche ich einen Supermarkt, kaufe vegane Proteinriegel mit Kokos und Kakao, Haferkekse, Schokolade, Nüsse, Käse und etwas vom Bäcker für den kleinen Hunger, der mich beim einkaufen überkommt. Viel zu viel eigentlich, schließlich will ich unterwegs Snacks auffüllen, um nicht so viel tragen zu müssen. Aber es wird anstrengend und ich habe mir fest vorgenommen, dieses mal mehr zu essen, als das sonst auf Touren schonmal der Fall ist. Puerto Natales ist der Ausgangspunkt für alle, die in den Torres-del-Paine-Nationalpark wollen – und das merkt man. Rucksäcke, Wanderstiefel, Draußen-Menschen, soweit das Auge reicht.

Ich schlendere durch die Stadt und bin begeistert von der Atmosphäre, die der Ort ausstrahlt. Überall sind wirklich coole Hostels, Cafés, Bars und Outdoorgeschäfte. Ich fühle mich super wohl und mache mich auf die Suche nach Gaskartuschen und einem Ladekabel, was ich zuhause vergessen habe. Postkarten kaufe ich auch direkt, wer weiß, ob ich nochmal welche finde. Ich finde ein paar Geschäfte mit Kartuschen, verschiebe diese Mission aber auf den nächsten Tag. Einen Pulli aus Alpaka-Wolle hätte ich nämlich auch sehr gerne. Naja, First things first, also erstmal zurück zum Hostel, Rucksack umpacken. Dann setze ich mich in den Aufenthaltsraum und trinke einen Tee, in der Hoffnung, Leute kennen zu lernen. Klappt aber nicht, niemand da. Also schlendere ich zurück in die Stadt und lande in einem italienischen Restaurant. Lieber wäre mir etwas Chilenisches gewesen, aber irgendwie überkommt mich dann doch etwas Unsicherheit und italienisches Essen kenne ich wenigstens und kann das zur Not auch ohne Spanischkenntnisse bestellen. Englisch ist kein Problem und das Essen sehr lecker. Die selbstgemachte Limonade auch. Für den Rückweg gönne ich mir ein Uber und nehme mir vor, ganz lange zu schlafen.

Das Frühstück im Hostel ist ganz okay und ich schnappe mir meine Kamera, um etwas die Küste entlang zu wandern Das Wetter ist naja… windig, kalt, schauer. Ich fotografiere viele Vögel und unterhalte mich mit einer Motorrad-Truppe, die die Straße ans Ende der Welt fahren. Cool.

Dann bringe ich meine Karten zur Post, trinke einen Matcha in einem Café, schlendere durch ein paar Geschäfte, ein kleines Museum und mache letzte Besorgungen. In dem Laden, in dem ich meine Gaskartusche kaufe, gibt es auch Essen, die Speisekarte habe ich gestern schon studiert. Ih bestelle mir wieder eine Limonada, diesmal mit Minze und Ingwer (Vitaminboost vor der Tour) und ein chilenisches Gericht. Leider habe ich den Namen vergessen. Irgendwas mit Quinoa und Avocado, dazu gibt es frisches Brot mit selbstgemachtem Dip. Die Angestellten sind sehr nett, auch wenn die Verständigung wieder etwas schwierig ist. Ich war überrascht, wie selten hier Englisch gesprochen wird.

Zurück geht es wieder mit einem Uber, weil Regen und Dunkel. Für den nächsten Morgen habe ich mir auch schon eine Fahrt zum Bahnhof gebucht, mein Bus geht um 6:45 Uhr. Gepäckeinlagerung ist klar, das Frühstück wird abends spät vorbereitet, sodass meinem frühen Start nichts mehr entgegen steht.

Ich bin bereit – für die Einsamkeit, die Weite, die Herausforderung. Und vielleicht auch für alles, was ich dort (noch) nicht suche.

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