Heute steht das Highlight der ganzen Reise an: Eine Wanderung auf den höchsten Berg Madeiras, den Pico Ruivo.

Der PR1, auch als Vereda do Areeiro bekannt, ist eine der spektakulärsten Wanderungen auf Madeira und führt dich vom Pico do Areeiro zum Pico Ruivo, dem höchsten Gipfel der Insel. Die Wanderung zum Sonnenaufgang ist ein besonderes Erlebnis, das dich durch atemberaubende Landschaften und zu spektakulären Aussichten führt.

Der Tag beginnt früh, noch vor der Morgendämmerung, wenn die Insel in völliger Stille und Dunkelheit liegt. Mit einer Taschenlampe in der Hand und warmer Kleidung startest du am Pico do Areeiro, der auf über 1.800 Metern liegt. Der frische Bergwind erinnert daran, dass du auf einem der höchsten Punkte Madeiras bist.

Während du die Wanderung beginnst, färbt sich der Himmel allmählich in tiefe Orange- und Rottöne. Die ersten Strahlen der Morgensonne beginnen die Berggipfel zu erleuchten, und die Silhouetten der Felsen nehmen Gestalt an. Der Pfad ist abwechslungsreich, mit steilen Auf- und Abstiegen, steinigen Wegen und in den Felsen gehauenen Tunneln. An einigen Stellen führst du entlang schmaler Kämme, wo links und rechts die Schlucht ins Nichts abfällt.

Jeder Schritt bringt dich näher zum Pico Ruivo, während die Sonnenstrahlen langsam die Täler und Gipfel in ein goldenes Licht tauchen. Die Wolken darunter scheinen wie ein weiches Meer, das sich um die Bergketten schlängelt. Dieser Anblick flößt Ehrfurcht ein und macht das frühe Aufstehen mehr als wett.

So hatte ich mir das vorgestellt. Aber bekanntlich kommt ja immer alles anders, als man denkt.

Ich stehe also um 5.00 Uhr auf, schleiche durch die Unterkunft in die Küche und frühstücke ordentlich. Schließlich ist die Wanderung 11 km lang mit einem Höhenunterschied von 1000 Metern. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass sich regelmäßig Gruppen zusammentun, um einen Shuttle vom Pico Ruivo zurück zum Pico do Areeiro zu nehmen und sich somit die Hälfte der Strecke zu sparen. Gut gestärkt setze ich mich in kurzen Sachen ins Auto, bei 1000 Höhenmeter komme ich mit Sicherheit ordentlich ins schwitzen. Die Fahrt zum Pico Areeiro gestaltet sich abenteuerlich. Während ich mich enge Straßen mit über 30 % Steigung hochkämpfe – zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl mein Auto kippt gleich hinten rüber – beginne ich daran zu zweifeln, ob dies denn eigentlich die offizielle Strecke ist. Unterwegs ist kaum Verkehr, was kein Wunder ist – ein 50-PS-Kleinwagen kommt hier kaum hoch. Als ich dann aber in eine sehr schmale Straße einbiege, die in einen Wald führt und so ausseht, als wäre hier wochenlag niemand mehr hergefahren wird klar: Das ist wieder so eine komische google maps Aktion. Ich komme an ein Tor, auf der irgendetwas mit Öffnungszeiten auf portugiesisch steht, was ich nicht verstehe. Aber das Tor steht offen, also wird das schon in Ordnung sein, wenn ich da durch fahre. Durch die Nebelsuppe erhasche ich die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne – vielversprechend! Noch ein paar Meter höher und ich werde einen traumhaften Sonnenaufgang erleben. Die Vorfreude steigt und ich werde ganz kribbelig.

Am Parkplatz angekommen, bin ich gleich doppelt verwirrt: 1. Hier darf man nur eine Stunde parken. 2. Es sind 4°C und die Sichtweite beträgt immer noch nur so 100 m. Ähm ja. In meinem Rucksack ist zum Glück meine Yogaleggings (einer der besseren Einfälle heute morgen) und ein dünner Fleecepulli, den ich eigentlich in den Pausen überziehen wollte. Und meine Regenjacke. Ich ziehe mich schnell im Auto um und marschiere los. Ein Knöllchen? Ach, was soll’s.

Der eiskalte Wind pfeift mir um die Ohren. Warum habe ich eigentlich keine Handschuhe eingepackt? Ich hätte wenigstens meine Weihnachtsmütze aufsetzen können. Ich gehe über den Bergkamm, rechts und links versinkt alles in den Wolken unter mir. Sichtweite? Bis zur nächsten Kurve. Der Wind bläst hier so stark, dass ich Angst habe, weggeweht zu werden. Kaum jemand ist unterwegs. Oh man, das hab ich mir wirklich ganz anders vorgestellt. ie Feuchtigkeit verstärkt die Kälte, und mit zugezogener Kapuze stehe ich an irgendeinem Aussichtspunkt und beschließe, dass das hier nichts wird. Erstens habe ich null Aussicht und zweitens wirklich Angst, hier alleine weggeweht zu werden. Etwas wehmütig trete ich den Rückweg über die ganzen Stufen an, die ich schon hinter mir hatte. Ich treffe noch ein deutsches Paar, die auch umkehren wollen. Etwas enttäuscht bin ich schon, aber ich weiß, dass das die richtige Entscheidung ist. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich bereits wieder am Auto. Immerhin gibt’s kein Problem wegen des Parkens.

Im Auto schmiede ich einen neuen Plan und auf dem Weg nach unten Richtung Funchal sehe ich auch, dass die Polizei den Verkehr nach oben absperrt. Hier sieht wohl heute niemand mehr den Sonnenaufgang.

Ich fahre nach Santo António da Serra, um von dort den PR10 – Levada do Furado – zu wandern. Auf Komoot heißt die Tour Levada dos Tornos, also bin ich mir nicht sicher, welcher Name jetzt stimmt.

Levadas sind ein charakteristisches Merkmal der Landschaft und des Bewässerungssystems auf Madeira. Sie sind künstlich angelegte Wasserkanäle, die über ein umfangreiches Netz von mehr als 2.000 Kilometern verteilt sind. Die Levadas wurden im 16. Jahrhundert eingeführt, um Wasser von den regenreichen Nordhängen der Insel zu den trockeneren landwirtschaftlichen Gebieten im Süden und Westen zu transportieren. Diese Kanäle verlaufen oft durch beeindruckende Landschaften, darunter steile Hänge, dichte Wälder, üppige Täler und tiefe Schluchten. Da Levadas oft schmale Wege entlang der Kanäle haben, werden sie gerne von Wanderern genutzt. Diese sogenannten Levada-Wanderungen sind eine beliebte Freizeitaktivität für Einheimische und Touristen gleichermaßen, da sie einzigartige Aussichten, Ruhe und den Zugang zu abgelegenen Teilen der Insel bieten. Die Wanderungen entlang der Levadas können unterschiedlich anspruchsvoll sein, von leichten Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Strecken mit steilen Abhängen und schmalen Wegen. Auf vielen Strecken gibt es auch Tunnel, Wasserfälle und Brücken, die die Wanderungen abwechslungsreich und spannend machen.

Ich parke gegenüber von einem Restaurant. Perfekt, dort kann ich nachher doch bestimmt eine heiße Suppe essen, ich bin immer noch ziemlich durchgefroren. Die Wanderung entlang der Levada ist wirklich schön und vor allem ruhig. Ich treffe kaum andere Wandernde. An den Felswänden läuft viel Wasser hinunter in den Levada. Ich sehe pflanzen die ich vorher noch nie gesehen habe. An einem kleinen Wasserfall mache ich eine Pause und esse einen halben Müsliriegel. Wenn es richtig warm ist, kann man hier bestimmt auch schwimmen. Oder zumindest die Füße abkühlen. Immer wieder erhasche ich wunderschöne Blicke auf den Atlantik und den umliegenden Lorbeerurwald. Hier und da ist es mal etwas enger und man muss aufpassen wo man hin tritt, insgesamt ist die Strecke aber nicht sonderlich anspruchsvoll. Eine Stelle führt in einem schmalen Gang durch eine steile Felswand. Ich überlege noch, aus der Strecke einen Rundweg zu machen, entscheide mich dann aber doch dagegen. Auf dem Rückweg treffe ich etwas mehr Leute, dennoch ist es nicht zu voll. Nach 16 km bin ich zurück am Startpunkt.

Das Restaurant füllt sich zunehmend und ich bin froh, einen Tisch ergattert zu haben. Ein Reisebus voller deutscher Rentner kommt gerade an. Zwei Gäste werden an meinen Tisch gesetzt, ich hab aber keine Lust mich zu unterhalten und konzentriere mich auf die Nudeln, die ich mir bestellt habe.

Auf dem Weg zurück halte ich noch an ein paar schönen Aussichtspunkten, dann wird erstmal in der Unterkunft heiß geduscht.

Abends mache ich mir nochmal etwas zu Essen, genieße bei einem Glas Madeira-Wein den Blick aufs Meer.

Als ich wieder drin bin gesellt sich ein Engländer zu mir an den Tisch, der die ganze Woche in der Unterkunft verbringt. Er lädt mich zu einer Whatsapp-Gruppe ein, über die ich mich schnell mit anderen vernetze. Wir unterhalten uns eine ganze Weile, er hatte wohl am Vortag mehr Glück mit dem Sonnenaufgang, hat aber die gleiche seltsame Route nach oben genommen.

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Über Bonvoylara

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Auf dem Rückweg habe ich den Miradouro do Guindaste besucht und war einfach überwältigt. Die Aussicht auf die schroffe Küste Madeiras, das tiefblaue Meer und die endlosen Weiten des Atlantiks war atemberaubend. Es fühlte sich an, als ob die Welt stillsteht, während die Wellen unten gegen die Klippen schlagen. Solche Momente lassen einen den Alltag vergessen und die pure Schönheit der Natur genießen. 🌊💙
🌿 Wandern auf Madeira: PR10 oder Levada dos Tornos? 🌿
Irgendwo auf dem Weg Richtung Nord-Madeira. Dafür habe ich sogar das warme Auto verlassen🤣
Der eiskalte Wind pfeift mir um die Ohren. Warum habe ich eigentlich keine Handschuhe eingepackt? Ich hätte wenigstens meine Weihnachtsmütze aufsetzen können. Ich gehe über den Bergkamm, rechts und links versinkt alles in den Wolken unter mir. Sichtweite? Bis zur nächsten Kurve. Der Wind bläst hier so stark, dass ich Angst habe, weggeweht zu werden. Kaum jemand ist unterwegs. Oh man, das hab ich mir wirklich ganz anders vorgestellt. ie Feuchtigkeit verstärkt die Kälte, und mit zugezogener Kapuze stehe ich an irgendeinem Aussichtspunkt und beschließe, dass das hier nichts wird. Erstens habe ich null Aussicht und zweitens wirklich Angst, hier alleine weggeweht zu werden. Etwas wehmütig trete ich den Rückweg über die ganzen Stufen an, die ich schon hinter mir hatte. Ich treffe noch ein deutsches Paar, die auch umkehren wollen. Etwas enttäuscht bin ich schon, aber ich weiß, dass das die richtige Entscheidung ist. Nach einer Dreiviertelstunde bin ich bereits wieder am Auto. Immerhin gibt’s kein Problem wegen des Parkens.
Es hat etwas gedauert, bis ich an meinem ersten Tag allein auf madeira am Meer war und zur Ruhe kommen konnte.
Wir fahren zu einem kleinen Strand, ich hüpfe nochmal ins Meer und wir genießen den letzten Nachmittag gemütlich im Schatten. Anschließend fahren wir ein Stück weiter in die Berge, um dort den Sonnenuntergang anzusehen. Das klappt leider so gar nicht, weil der eingezeichnete Spot definitiv nicht mit unerem Auto befahrbar ist. 😅 Wir fahren also wieder Richtung Küste, die Himmelsrichtung müsste für einen schönen Sonnenuntergang passen und ich habe auf der Karte ein paar Restaurants entdeckt.🤩 Zunächst geht es durch das Botschaftsviertel, bis wir an einer hippen Promenade landen. Hier reiht sich ein Lokal an das nächste und als die Sonne untergegangen ist, füllt sich die Wiese am Ufer schnell mit unzähligen Leuten, die sich zum Picknicken treffen. Wir suchen uns ein Restaurant aus, Essen ein paar Kleinigkeiten und trinken dazu frisch gepresste Sä fte. Mein Favorit ist der Granatapfelsaft. 🤤Danach setzen wir uns noch etwas ans Wasser und lauschen dem Meeresrauschen bevor wir uns gegen 23.00 Uhr Richtung Flughafen aufmachen. Unser Flieger geht um 4.00 Uhr morgens 😣
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